easyCredit BBL | 02.02.2016, 19:29 Uhr

Dietmar Günther: „Wir sind ein Ausbildungsverein“

Dietmar Günther hat als Spieler und Trainer den Hagener Basketball mit geprägt. Bis 2010 betreute er die NBBL-Mannschaft. Aktuell ist er Mitglied im Aufsichtsrat. Im Interview spricht er unter anderem über seine drei Basketball-spielenden Söhne und die Jugendarbeit von Phoenix Hagen.

Besonderer Ort für Dietmar Günther: die „Ische“

Besonderer Ort für Dietmar Günther: die „Ische“

Dietmar, natürlich drängt sich als erstes die Frage nach deinem Nachwuchs auf. Allstar-MVP Per ist in aller Munde, Jasper feiert erste Erfolge mit den Youngsters und Phillip ist mit dem BSV Wulfen unterwegs. Wie zufrieden bist du mit dem Werdegang deiner Jungs auf und abseits des Courts?
Seit der Grundschule bin ich ein Basketballfan, erst als Spieler, dann als Trainer und jetzt als Aufsichtsrat bei Phoenix. Es ist schön, dass die Jungs sich auch dem Sport verschrieben haben. So kann ich das Angenehme mit dem Angenehmen verbinden: Zeit mit meinen Jungs verbringen und beim Basketball mitfiebern. Das ist wirklich ein großes Glück. Abseits des Courts geht jeder seinen Weg, es sind gute Jungs. Ich bin mächtig stolz zu sehen, wie Philip sich um seine kleine Tochter kümmert und in seiner Familie aufgeht.

Wir gehen davon aus, dass die Nachwuchsarbeit im Hause Günther schon im Windel-Alter begonnen hat. Wie wichtig ist es, früh anzufangen?
Tatsächlich musste ich einmal bei einem BBL-Spiel mit Osnabrück in der Halbzeit die Windel von Philip wechseln. Meine Frau Tina hat gearbeitet und mein Babysitter war überfordert. Es ist natürlich gut, früh anzufangen. Allerdings muss es nicht immer gleich Basketball sein: Leichtathletik oder auch Fechten liefern gute Grundlagen für Basketball. Aber sobald dann mehr als zweimal Training in der Woche erforderlich werden, wird man sich spezialisieren müssen.

Bis 2010 hast du unsere NBBL-Mannschaft betreut. 2007 sind Per und du als Vater-Sohn-Gespann mit den Juniors Vizemeister geworden. Das war doch sicher ein besonderer Moment?
Ja, das war ein besonderer Moment. Ich habe ihn insgesamt zwei Jahre begleitet. Es ist erstaunlich zu sehen, wie er immer noch jedes Jahr etwas zu seinem Spiel dazu addiert.

Neben Per war damals auch Dominik Spohr im Kader. Beide Talente behaupten sich mittlerweile in Ulm und Göttingen erfolgreich in der Beko Basketball Bundesliga. „Zufall“ oder auch ein Verdienst funktionierender Nachwuchsarbeit?
Wenn man es in die BBL schafft, kann man nie von Zufall sprechen. Es gehört manchmal ein bisschen Glück dazu, den richtigen Trainer oder Standort zur richtigen Zeit zu bekommen, aber die Grundlage ist gute Jugendarbeit, Talent und sehr viel Arbeit.


Letztes Jahr schaffte es Jasper mit den Youngsters ins TOP4. Diese verpassten gegen Porsche BBA Ludwigsburg bedauerlicherweise den Einzug ins Finale, trotz couragiertem Auftritt deines Filius, der mit 16 Punkten sogar Topscorer auf Hagener Seite wurde. Wie hast du das Ganze erlebt? Gelungene „Fortsetzung“ zum Turnier 2007?
Als Fortsetzung von 2007 habe ich es jetzt nicht gesehen, aber es ist natürlich eine Fortsetzung und Entwicklung des TOP4 zu sehen. Damals war es das erste Turnier, die JBBL gab es noch nicht. Alles war neu, sehr emotional, aber noch nicht so professionell wie heute. Es ist toll zu sehen, was daraus geworden ist. National und auch international wird die Jugendarbeit in Deutschland wahr- und ernst genommen. Auch die Ergebnisse bei internationalen Turnieren haben sich verbessert und stabilisiert.


Hagen ist neben Bamberg einziger Standort als zweifacher NBBL/JBBL TOP4-Ausrichter. Wie stehst du zu einem dritten Mal?
Das macht einen schon stolz, dass uns zugetraut wird, so ein Turnier auszurichten. Und das haben wir auch zweimal sehr gut hinbekommen. Das beweist auch, dass wir für weitere Ausrichtungen ein Thema sind. Wir hatten natürlich das große Glück, mit beiden Mannschaften vertreten zu sein. Ich stehe dem positiv gegenüber. Es sollte nur die realistische Chance bestehen, dass mindestens eine Mannschaft sich qualifizieren könnte.

In letzter Zeit hat es viele Veränderungen in der Vereinsstruktur gegeben. Wie wirkt sich das auf die Nachwuchsförderung aus? Haben sich die Prioritäten verschoben?
Nein, die Jugendarbeit lebt von unserem Zugpferd BBL und der Tradition des Standortes Hagen. In NRW sind die Standorte der BBL bis auf Bonn in den letzten Jahren weggebrochen. Unser Einzugsgebiet hat sich vergrößert und durch die systematische Verbesserung der Infrastruktur und der Kooperation mit den Vereinen in der Region nimmt man uns in Hagen als guten Jugendausbilder wahr. Da wir immer noch nicht auf Rosen gebettet sind, ist die Jugendförderung ein elementarer Bestandteil unseres BBL-Konzeptes. Wir wollen als Ausbildungsverein wahrgenommen werden und es werden sich junge Talente Phoenix anschließen. Wir leben davon, keine teuren deutschen Talente dazukaufen zu müssen, sondern sie selber auszubilden.

Welches Verbesserungspotenzial siehst du für die zukünftige Jugendarbeit?
Eine weitere Verbesserung der Infrastruktur: eine Trainingshalle für Phoenix, die unabhängig vom Schulsport genutzt werden kann. Auch uns tut G8 weh. Dadurch stehen viele Schulsporthallen erst spät am Abend zur Verfügung. Ein Wohn- und Betreuungskonzept für Talente, die von weiter weg kommen, als die Eltern fahren können.

Letzte Frage: Kooperationspartner BG Hagen ist nicht nur einer der vielen entscheidenden Bausteine der Hagener Nachwuchsarbeit, sondern veranstaltet auch widerkehrend das sogenannte Freilufttunier. Wie wäre es denn mal mit einem Günther-Familien-Team? Um die Point-Guard-Position ließe sich sicher knobeln.
Ja, wir haben nur Point Guards, auch meine Frau war einer. Aber alle Point Guards lieben es, einmal unter dem Korb spielen zu können und aufzuposten. Ich glaube, da müssen wir eher knobeln. Wir haben natürlich schon darüber nachgedacht, aber alle haben wir noch nicht unter einen Hut bekommen.

 


 
 
 
 

Tickets online bestellen