easyCredit BBL | 12.01.2016, 08:18 Uhr

50 Jahre Ischelandhalle: Echte Basketball-Highlights

Es ist sicher auch der muffige Geruch alter Fotos, der das Kramen in längst vergessenen Erinnerungen zur nostalgischen Traumreise werden lässt. Das Jubiläum der traditionsreichen Hagener Ischelandhalle ist so ein Anlass, mal wieder in den Archiven zu stöbern. Der Hagener an sich ist schließlich stolz auf seine Basketballer und auf die gute alte „Ische“. Und, wer hätte das gedacht: Im Januar 2016 hat die reife und inzwischen runderneuerte Dame bereits stolze 50 Lenze auf dem Buckel!

1974: Jürgen Trapp und Jimmy Wilkins

1974: Jürgen Trapp und Jimmy Wilkins

1985: Glasbruch beim Europapokal-Spiel

1985: Glasbruch beim Europapokal-Spiel

1988: Arvydas Sabonis und Co. in Hagen

1988: Arvydas Sabonis und Co. in Hagen

1994: Mike Koch vs. Keith Gatlin im BL-Finale

1994: Mike Koch vs. Keith Gatlin im BL-Finale

Eingeweiht wurde der „Edelstein unter den Hagener Sportstätten“, wie die Ischlandhalle damals von der „Westfälischen Rundschau“ genannt worden ist, am 15. Januar 1966. 1.200 Gäste waren geladen, um ein 210 Minuten langes Mammutprogramm zur Eröffnung zu sehen. 1966? Ludwig Erhard war Bundeskanzler, bevor Kurt Georg Kiesinger ihn im Dezember ablöste. England wurde Fußball-Weltmeister durch dieses unsägliche Tor, das freilich keines war, Mini-Röcke verdrehten den Männern die Köpfe – und Willy Jung wurde zum ersten Hallenwart der Ischelandhalle.

Die goldenen Siebziger: Hohe Zeit des Hagener Basketballs

Willy und seine Nachfolger waren fortan Zeugen vieler sportlicher Highlights. Das erste Lokalderby in der Ischelandhalle fand am 01. Oktober 1966 statt. Das Duell zwischen dem SSV Hagen und Hagen 1860 konnte der SSV mit 83:77 gewinnen. Am 5. Mai 1970 kam es zum ersten Herren-Länderspiel in Hagen, viele weitere sollten folgen. Deutschland unterlag den USA mit 64:113. 1971 gab es ein Dreiländerturnier mit Deutschland, Polen und der CSSR. Ein weiterer Höhepunkt war die Europameisterschaft 1975, die auch in Wolfenbüttel und Böblingen ausgetragen wurde.

Es war die absolute Hochzeit des Hagener Basketballs. 1974 errang der SSV Hagen die Deutscher Meisterschaft. Das Team um Jimmy Wilkins († 2012), dessen Sohn Dominik später zum Erstligakader von Phoenix Hagen gehört, setzte sich in zwei Finalspielen gegen Heidelberg durch. 1975 folgte der Pokalsieg. Die Ischelandhalle erlebte im Anschluss viele Europapokal-Schlachten, etwa gegen Xerox Mailand, Sparta Prag, Teneriffa oder Estudiantes Madrid.

SSV Hagen vs. Olympique Antibes: Doppelter Glasbruch bringt Unglück

Keinesfalls alltäglich war zehn Jahre später die Europapokal-Begegnung des SSV Hagen gegen Olympique Antibes am 30. Oktober 1985. Bereits in der ersten Halbzeit zersplitterte das Brett nach einem Dunking des Senegalesen Mike Harper. Sein Hagener Gegenspieler Ralf Kuhtz trug bei diesem Vorfall sogar kleinere Schnittwunden davon.  Eine echte Schrecksekunde für ihn: „So eine Situation hatte ich noch nie erlebt“, berichtet der Center. „Aber so richtige Verletzungen waren das eigentlich auch nicht, wir langen Leute unterm Brett haben den feinen Glasstaub abbekommen. Und wenn man den abstreifte, hat man sich unweigerlich ein bisschen verletzt – aber das war Kindergarten.“

Zahlreiche helfende Hände packten an, flugs war das alte Brett ersetzt. Dreißig Minuten später hätte die Partie fortgesetzt werden können, wenn beim Aufwärmen nicht ein lautes Knacken die Besucher der Ischelandhalle ein weiteres Mal hätte aufhorchen lassen. Wiederum rieselten Splitter auf den Hallenboden. Diesmal gab es allerdings keinen Ersatz mehr für das geborstene Brett. Die Partie musste beim Stand von 14:17 abgebrochen werden. Das Resultat dieser unglücklichen Begebenheit: Nur das zweite Spiel kam in die Wertung, welches die Hagener verloren haben.  

„Hinterher ist man immer schlauer. Das Ersatzbrett stand die ganze Zeit in der Kälte. Nachdem es in der warmen Halle angebracht war, brauchte es nur drei bis vier Ballberührungen, bis das Brett wieder zerbrach. Durch den Temperaturwechsel war einfach zu viel Spannung auf dem Glas“, weiß Ralf Kuhtz.

Brandt Hagen vs. Bayer 04 Leverkusen: „Wir gehörten ins Endspiel, aber wir waren chancenlos.“

Ein weiteres Highlight in der alten „Ische“ war die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft 1994. Brandt Hagen traf auf Serienmeister Bayer 04 Leverkusen. Ein Ereignis der Superlative für den Hagener Basketball, das dafür sorgte, dass die Halle in kürzester Zeit ausverkauft war. „Mich haben so viele Leute angerufen, die ich seit Jahren nicht gesehen habe. Alle wollten eine Karte haben. Das war schon ein ganz besonderes Ereignis“, erinnert sich Oliver Herkelmann, der damals als Spieler dabei war und heute Marketingleiter von Phoenix Hagen ist.

Das erste Finalspiel nach zwanzig Jahren gestaltete sich trotz proppevoller Halle aber leider wenig erfreulich für die Hagener. Leverkusen gewann mit 104:83 in der Ischelandhalle – ein bitterer Schlag für Brandt. „Wir gehörten ins Endspiel, aber wir waren chancenlos gegen Leverkusen“, erzählt Herkelmann. Brandt verlor die Serie letztlich glatt mit 0:3. Leverkusen verfügte unter der Regie von Dirk Bauermann seinerzeit über Größen wie Abdul Shamsid-Deen, Tom Garrick, Henning Harnisch oder Michael Koch. Auf Hagener Seite spielten, trainiert von Peter Krüsmann, unter anderem Keith Gatlin, Stefan Svitek und Arnd Neuhaus. Als Trostpflaster holte sich Brandt den Deutschen Pokal. Im Endspiel in Bamberg gab es einen Sieg gegen Ulm.

Randnotizen: Kleine Geschichten zur Ischelandhalle


Ein Rekord für die Ewigkeit gelang Keith Gray. Am 22. März 1989 erzielte der Aufbauspieler 65 Punkte – das ist bis heute Bundesligarekord! Dieses Kunststück gelang dem Amerikaner in einem Spiel des TSV 1860 Hagen gegen Braunschweig. Endstand: 142:82!

Beim 7. Internationalen Andreas-Cup im Dezember 1988 trafen sich Teams wie Zhalgiris Kaunas (Pokalsieger und Europapokalteilnehmer), Statyba Vilnius (dritter der UdSSR-Meisterschaft), der BSC Saturn Köln (Deutscher Meister) und der SSV GoldStar Hagen. Mit dabei waren zwei spätere NBA-Spieler: Für Kaunas spielte der litauische Center-Hüne Arvydas Sabonis, der anschließend stattliche 520 Spiele für die Portland TrailBlazers absolvierte. Vilnius hatte Šarūnas Marčiulionis im Gepäck, der im Anschluss für die Golden State Warriors am Ball war.

Die Ischelandhalle schrieb aber nicht nur Basketball-Geschichte. Es gab auch eine ganze Reihe von andere sportliche Großveranstaltungen. Ein absoluter Höhepunkt war der Boxkampf des schönen Renè Weller. 1983 gewann er in Hagen einen EM-Kampf im Leichtgewicht gegen Jose Antonio Garcia. Augenzeuge in der Ische war auch Box-Legende Bubi Scholz.

Fotos: Westfalenpost

 


 
 
 
 

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