easyCredit BBL | 06.04.2014, 07:49 Uhr

Vor 40 Jahren: Eine Stadt im Ausnahmezustand

Sonntag, 7. April 1974, kurz nach 15 Uhr. Nichts geht mehr auf dem Berliner Platz vor dem Hagener Hauptbahnhof. Kein Durchkommen – weder für Autos oder Busse noch für die damals noch verkehrende Straßenbahn. Auch für passierende Fußgänger ist es wohl einfacher, einen Umweg zu gehen. Eine riesige Menge von ca. 6000 Menschen hat sich am Platz vor dem Hauptbahnhof versammelt.

Die Meistertrophäe auf Cabrio-Tour

Die Meistertrophäe auf Cabrio-Tour

Die Meistermannschaft 1974

Die Meistermannschaft 1974

Jimmy Wilkins und Trainer Jürgen Trapp

Jimmy Wilkins und Trainer Jürgen Trapp

Finale in Heidelberg mit Jochen Pollex

Finale in Heidelberg mit Jochen Pollex

Jimmy Wilkins am Friedrich-Ebert-Platz

Jimmy Wilkins am Friedrich-Ebert-Platz

Der Andrang ist so groß, dass die Menschen in Reihen fast bis zum Postgebäude stehen und auch die Hauptverkehrsstraßen blockieren. Für den besseren Blick sind manche auf Dächer der einstöckigen, ans Bahnhofsgebäude angrenzenden Häuschen und der damals dort betriebenen Verkaufsbungalows, auf das Mauerdenkmal oder auf Telefonzellen geklettert. Die Stimmung ist euphorisch. Rot-weiße Fahnen werden geschwenkt. Ein Reisebus schiebt sich langsam durch die Massen bis vor das Bahnhofsportal. Als die ersten Insassen winkend aussteigen, wird es laut – Begeisterung und Jubelstimmung kommen auf. Da sind sie! Die Helden von Heidelberg! Das Basketballteam des SSV Hagen! Diese Mannschaft hat den Titel des Deutschen Meisters 1974 gewonnen und damit Hagen – Sitz des Deutschen Basketball-Bundes – zur unangefochtenen Basketball-Hauptstadt in Deutschland  gekrönt. Jeder Spieler wird mit ausgelassenem Beifall begrüßt. Die Meisterschaftstrophäe – ein Meisterschaftsschild des deutschen Basketballbundes – wird über den Köpfen aller hoch in alle Richtungen gezeigt, es wird geklatscht und gesungen. Die Spieler erhalten Blumensträuße und steigen um in bereit stehende, offene Cabrios. Diese führen einen Zug von weiteren PKW, dem Reisebus, unzähligen zu Fuß gehenden Anhängern und dem Fanfarenchor von Blau-Weiß Haspe für eine Siegesparade über die Bahnhofstraße, am Volkspark vorbei und entlang der Körnerstraße – da passiert man das damals noch im Bau befindliche, heute schon lang wieder abgerissene und durch einen Neubau ersetzte Sparkassenhochhaus „Langer Oskar“ - zum Rathausplatz.
 
Dieser Erfolg stellte den Höhepunkt einer bemerkenswerten Entwicklung dar – Hagen gehörte zwar schon lange zu den Basketballhochburgen in Deutschland, hatte dies aber zuvor nicht mit einem Titelgewinn untermauern können. Seit Beginn der 1950er Jahre wurde in Hagen vereinsmäßig organisiert Basketball gespielt und schnell entstand ein hohes Leistungsniveau.
 
1963 kam der SSV Hagen bis ins Halbfinale der Deutschen Meisterschaft, 1964 zog man bis ins Finale. 1967 gelangte der SSV erneut bis ins Halbfinale. Kein Titel konnte gewonnen werden. 1972 spielten die Hagener im Finale des Pokalwettbewerbs, aber auch hier mussten sie die Halle als „Vize“ verlassen.

Misserfolg als Triebwerkszündung

In der Saison 1972/1973 starteten der SSV Hagen mit Erfolgshunger: In der damals noch in Nord- und Südgruppe unterteilten Bundesliga schlossen sie die Gruppenphase als Tabellenerster, sogenannter „Nordmeister“ ab. Alle weiteren Ambitionen verwandelten sich aber auch in dieser Saison in unerfüllte Hoffnungen. Obwohl favorisiert, konnte Hagen in der Zwischenrunde nicht ein einziges Spiel für sich entscheiden und somit nicht ins Halbfinale einziehen.
 
Effiziente Verstärkung gesucht

 
In Hagen blickte man nach vorn und begann schnell mit der Suche nach einer Verstärkung für das Team. Das Hauptinteresse der Hagener fiel  – da man einen großen Center unter den Körben haben wollte – auf den 2,08 m großen Norbert Thimm. Der Dortmunder Thimm hatte bereits zu Beginn seiner Laufbahn ein Jahr in Hagen gespielt und war danach zum TuS 04 Leverkusen gewechselt. Dort entwickelte er sich schnell zu einem der besten Centerspieler Europas. Der spanische Verein Real Madrid wurde auf ihn aufmerksam und nahm Thimm unter Vertrag. Die Saison in Spanien wurde für Thimm ein großer Erfolg, doch es zog ihn zurück nach Deutschland.  Er verhandelte mit dem Hagener Trainer Jörg Trapp, aber am Ende entschied Thimm sich erneut für Leverkusen.

Der Ballmagier reißt Lücken beim Gegner
 

Stattdessen verpflichtete man beim SSV als Ausländer (damals durfte jedes Team bei einem Bundesligaspiel nur einen Ausländer einsetzen) den Kalifornier Jimmy Wilkins. In seiner Heimat USA war Wilkins nach Abschluss seines Studiums vom NBA-Profiklub Portland Trailblazers unter Vertrag genommen worden, konnte dort aber keinen Platz im Team erlangen und suchte nach einem kurzen Engagement in Mexiko nun in Europa nach einer basketballerischen Herausforderung. Die Verbindung Wilkins-Hagen sollte sich als Glücksgriff erweisen. Mit Jimmy Wilkins kam das Spektakuläre des US-Basketballs nach Hagen: er lief schnell, sprang unglaublich hoch, ließ sich in seinem Zug zum Korb kaum stoppen und traf auch aus der der Distanz. Für jede Verteidigung stellte er ein unlösbares Problem dar.

Ausbruch des Basketballfiebers
 

Seine Ballbeherrschung und Ballartistik verblüfften Mit- und Gegenspieler gleichermaßen sowie in ganz besonderem Maße die Zuschauer. Im eh schon basketballverrückten Hagen brach unter den sich stets vermehrenden Fans eine wahre Manie aus. Die Ischelandhalle war mit  regulär zahlenden 2.400 Besuchern ständig ausverkauft und alle Aufgänge, Treppen und Ecken wurden bis auf den letzten Zentimeter ausgenutzt, um eine – wenn auch heutigen Sicherheitstandards kaum entsprechende – Zuschaumöglichkeit zu erlangen (passiert ist übrigens dennoch nie etwas Schlimmes), so dass die tatsächliche Zuschauerzahl oft noch höher lag. Bei spannenden Spielen wurde die Halle zum Tollhaus. Selbst das bundesweite Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL veröffentlichte einen Artikel über Jimmy Wilkins und die Basketballeuphorie in Hagen. Dort hieß es, man könne je Heimspieltag mehr als 8.000 Eintrittskarten verkaufen – hätte man die Kapazitäten...

Das Ensemble des Erfolgs
 

Zu Beginn der Saison 1973/1974 stand Trainer Jörg Trapp eine hochkarätige Truppe zur Verfügung: der bereits erwähnte Amerikaner Jimmy Wlkins, dessen Sprungkraft ihm mit 1,82 Meter Körpergröße selbst mal einen Sprungballgewinn gegen den Leverkusener Center Thimm oder einen Rebound gegen den Heidelberger Center Keller bescherte; der Deutsch-Tschechoslowake Joschko Martinek (ehemaliger CSSR-Nationalspieler mit einem treffsicheren Hakenwurf), die Hagener Brüder Günter und Jochen Pollex (der eine Defense-Spezialist, der andere Distanzschütze, zuletzt 1972 mit TuS 04 Leverkusen Deutscher Meister) sowie die aus der Umgebung stammenden und teils in der eigenen Jugendarbeit geförderten Center „Goucho“ Schaumann als Fels in der Abwehr, der 17-jährige Juniorennationalspieler Martin Busemann, der raffinierte Passgeber Peter Krüsmann,  der vom Lokalnachbarn TSV 1860 Hagen gekommene Distanzschütze Lothar Dahlbüdding, „Perle“ Kaminski, Manndeckungsspezialist und Kapitän Armin Eickmann und als Nachwuchscenter Heinz-Werner Schmunz.
 
Diese Mannschaft spielte eine durchweg erfolgreiche Saison, so dass man die Tabelle der Nordgruppe als Erster (wieder „Nordmeister“) abschließen und in der westfälisch-rheinländischen Rivalität den TuS 04 Leverkusen auf den 2. Platz verweisen konnte. Zum  Spiel Hagen-Leverkusen gab es einen Fernsehbericht  im  „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF, in dem die TV-Zuschauer bundesweit über die Hagener Basketball-Begeisterung informiert wurden. Moderator Dieter Kürten wies darauf hin, dass die Ischelandhalle mit ca. 2800 Zuschauern ausverkauft gewesen sei, gern aber auch 6000 (!) Zuschauer Einlass bekommen hätten. Aber auch bei Auswärtsspielen sorgten die Hagener Anhänger nicht  nur für lautstarke Unterstützung, sondern auch für Aufsehen erregende Zahlen. Die Begegnung USC München – SSV Hagen sahen etwa 800 Zuschauer – mehr als 400 davon waren angereiste Hagener. Auch die Zwischenrunde absolvierte man als Gruppenprimus.

Die Überwindung der Halbfinalmedusa

 
Im Halbfinale wartete der MTV Gießen, ein Traditionsverein wie Hagen, allerdings mit einer für Gegner erschreckenden Bilanz als Dauerfinalist: In den vergangenen 9 Spielzeiten hatten die Gießener bereits in jeder Saison die  Halbfinalrunde erreicht, 8 (!) Mal dort Ihren Gegner aus dem Wettbewerb geworfen (darunter auch die Hagener) und im Anschluss  3 Meisterschaften gefeiert. Auch dieses Mal spielten die Gießener siegesgewiss auf und verstanden es, die Hagener zu schockieren: Das Halbfinalhinspiel in Gießen ging mit 14 Punkten Differenz (66:80 aus Hagener Sicht) verloren. Das Rückspiel war an Dramatik kaum zu überbieten. Die Ischelandhalle kochte mit etwa 3000 Zuschauern über. Hagen musste mit 15 Punkten Vorsprung gewinnen, um ins Finale einziehen zu können. Das schien zu gelingen, denn wenige Minuten vor Spielende betrug der Vorsprung 21 Punkte. Die Gießener warfen nun noch mal alles an Basketballkönnen und Kampfkraft in die Waagschale und zur letzten Spielminute war der Hagener Vorsprung auf 14 Punkte geschrumpft. Jochen Pollex erhöhte wieder auf 16 Punkte Differenz. Somit wäre Hagen im Finale, falls sie kein Gegenkorb mehr zuließen. Bei einer Restspielzeit von noch 10 Sekunden bekam der Gießener Breitbach aufgrund eines Fouls zwei Freiwürfe zugesprochen und damit die Chance, eine Verlängerung zu erzwingen. Den ersten Freiwurf konnte er verwandeln, doch beim zweiten ließ ihn die unglaubliche Lautstärke des „Hagener Hexenkessels“ Nerven zeigen. Verworfen – und den Rebound holten die Hagener! Kurz danach ist das Spiel beendet. 74:59! 15 Punkte  Vorsprung! Der Einzug ins Finale!
 
Für diesen Erfolg hatte der Hagener Spieler Peter Krüsmann gegenüber seinen Mannschaftskollegen angekündigt, direkt nach Spielende auf dem Spielfeld einen „Jubel“-Salto ohne Anlauf aus dem Stand vorzuführen. Doch zu dieser zirkusreifen und sportlich-artistischen Meisterdarbietung sollte es nicht kommen, innerhalb weniger Sekunden nach dem Schluss-Signal war das Spielfeld mit feiernden Hagenern überfüllt.

Der Finalgegner

Gegner im Finale wurde der Titelverteidiger und damalige Rekordmeister USC Heidelberg. Hagen und Heidelberg waren sich bereits in der Zwischenrunde in Hin- und Rückspiel begegnet, jeweils das Heimteam gewann. Heidelberg traf im Halbfinale auf den TuS 04 Leverkusen und erzielte im Hinspiel zuhause ein Unentschieden (damals galten in Deutschland noch nicht alle internationalen FIBA-Regeln  daher gab konnte ein Basketballspiel ohne Sieger enden). Im Rückspiel gewann der USC in Leverkusen sensationell mit einer „Supershow“, wie damals die Presse titelte. Topscorer war der Amerikaner Mike Wells mit 20 Punkten.
 
Heimfestung Ischelandhalle

Für das Hinspiel des Finales – Heimspiel für den SSV – bemühte man sich um eine größere Spielstätte, nämlich die Dortmunder Westfalenhalle. In Hagen war man sicher, 10. bis 12.000 Karten verkaufen zu können. Die Halle war aber zu diesem Datum bereits seit Langem gebucht und es gab keine Möglichkeiten der Terminverschiebung. Also wurde doch wieder in der Ischelandhalle gespielt. In einer frühen Form des „Public Viewing“ installierte die Hagener Elekrofirma Schicker in der an die Hallle angrenzenden Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums 5 Monitore, auf denen das Spiele zeitgleich übertragen wurde. Mehr als 4000 Hagener konnten so das erste Finalspiel „live“ verfolgen: etwa 3000 als Zuschauer in der Halle und ca. 1000 auf den Bildschirmen in der Aula und etwa 300 auf Fernsehern im Foyer der Halle.
 
Eben auf  Mike Wells, Heidelbergs Amerikaner und Topscorer im Halbfinale, setzte Hagens Coach Jörg Trapp seine Verteidigung ganz besonders scharf an und dies wurde gemeinsam mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, einer starken Defense der Center Martinek, Schaumann und Schmunz und Jimmy Wilkins' 26 Punkten zu den Hauptfaktoren zum Sieg im ersten Finalspiel: Selbst wenn mancher Heidelberg als das bessere Team sah, Mike Wells traf nicht einen einzigen seiner 13 Würfe im Spiel und der SSV gewann verdient mit 67:54. Jubel und Ausnahmezustand in der Ischelandhalle – doch das alles entscheidende Rückspiel in Heidelberg sollte erst noch folgen.

In Heidelberg: Der Rekordmeister wird bezwungen
 

Der SSV Hagen fuhr mit einem 13-Punkte-Polster nach Heidelberg. Selbst bei einer Niederlage mit  bis zu 12 Punkten hatte man den Meisterschaftsgewinn sicher – aber welche Sicherheit konnte das geben gegen eine aus Topspielern bestehende Mannschaft wie den USC Heidelberg, die nach der Niederlage im Hinspiel gewarnt war und nun mit Sicherheit der Hagener Spielweise etwas entgegenzusetzen wusste.

Im Vorfeld kam es zu besonderen Szenen beim Kartenverkauf. Die Heimspielstätte des USC Heidelberg, das Bundesleistungszentrum, fasste ca. 2000 Zuschauer. Dem SSV wurde ein Kontingent von 324 Karten zugesandt. In Heidelberg sich beruflich aufhaltende Hagener kauften einige Hundert Karten. Ein Pärchen wurde extra nach Heidelberg geschickt, um weitere Karten zu kaufen. Walter Engels, damaliger Mannschaftsbetreuer, und seine Frau machten sich offenbar einen Spaß daraus, die Kartenverkäufer zu täuschen und traten mehrmals verkleidet und mit Perücken an der gleichen Verkaufsstelle auf. Dort vermutete man bald Böses hinter dem Mummenschanz und  die Polizei wurde gerufen. Diese konnte aber nichts Strafbares feststellen und das Paar durfte die  bereits gekauften und bezahlten Karten am Ende natürlich behalten. Heute lässt sich der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte in Einzelheiten nicht mehr überprüfen; zwar wurde sie damals in der Tageszeitung kolportiert, aber es ist nicht auszuschließen, dass die Story nur dazu diente, die Finalstimmung weiter auszuschmücken. Objektiv nachvollziehbar ist aber, dass etwa die Hälfte der Besucher im  Heidelberger Bundesleistungszentrum beim Finalspiel Hagener waren (also ca. 1000), die rot-weiße Fahnen schwenkten und den SSV unterstützten. Sie waren mit Pkw und 10 Sonderbussen (!) angereist.
 
In der ausverkauften Heidelberger Halle kam für die Unterstützer des Heimteams Hoffnung auf, als   Heidelberg  wenige Minuten vor der Halbzeit einen Vorsprung von 6 Punkten erspielte. Die Hagener konnten diesen jedoch bis zur Pause auf 33:31 verkürzen. In der zweiten Halbzeit versuchte Heidelberg vergeblich, sich abzusetzen. Zwar konnte Hagen Heidelberg nicht zum Gleichstand einholen, aber es gelang, den Gegner zu kontrollieren. Mit nur noch wenigen Minuten auf der Spielzeituhr versuchte Heidelberg eine „Alles oder nichts- Spielweise“. Die Hagener hielten mit großem Kampfgeist dagegen, ließen sich nicht verunsichern, fanden die Lücken in der gegnerischen Verteidigung und gingen so zum Spielende in Führung. Eine großartige Saison sollte mit einem Sieg im letzten Finalspiel ihren Abschluss finden.
 
Einige Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit kam der Heidelberger Center Didi Keller auf Höhe der Mittellinie in Ballbesitz. Er blieb stehen und drückte dem Hagener Jochen Pollex den Ball  in die Hand. War dies nun – wie es damals die Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung darstellte – ein sportlich faire Geste oder – wie es die Hagener damals empfundenen hatten – der reine Frust? Wie auch immer – die Übergabe des Balles symbolisierte die Anerkennung der Hagener Überlegenheit in diesem Finale und in dieser Saison. Momente später ertönte der Schlusspfiff  - Endergebnis 70:64 aus Hagener Sicht. Das Spielfeld füllte sich innerhalb weniger Augenblicke mit Hagenern – Spieler, Betreuer und Fans-, die gemeinsam Fahnen schwenkend den Sieg und die gewonnene Meisterschaft  feierten.

Hagen steht Kopf

Zurück am Tag der Rückkehr des frisch gekürten Meisters nach Hagen. Auf dem damals noch mit Straßen- und Busverkehr befahrenen Friedrich-Ebert-Platz vor Kaufhaus Horten und dem Rathaus (heute steht dort die Volmegalerie) hält Oberbürgermeister Loskand eine kurze Rede mit einem Megaphon, da die Technik versagte. Ähnlich voll ist es hier sonst nur beim Karnevalsumzug am Rosenmontag. Eine Hagener Lokalzeitung hat ein Extrablatt erscheinen lassen, das in kurzer Zeit vergriffen ist. Nach einer Weile Siegesfeierlichkeiten werden die Spieler aber  wieder zu den Fahrzeugen geleitet: „Ihr müsst auch noch zur Ischelandhalle, auch dort warten Hunderte auf Euch!“ In der Ischelandhalle, Ort vieler Meilensteine auf dem Weg zum großen Erfolg, wird ebenfalls kräftig gefeiert und die Spieler lassen sich noch zu einem kurzen, allerdings nur wenige Minuten dauernden Spaß-Einlagespiel in Straßenkleidung überreden. Die Zuschauer wanken im Freudentaumel. In der Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums findet eine Meisterschaftsparty statt.

Sonnenuntergang oder goldene Morgenröte?
 

Im Blick zurück stellt der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1974 den Beginn einer neuen Phase im Hagener Basketball dar. Man spielte von nun an immer ganz oben mit. 1975 gewann das gegenüber 1974 nur leicht veränderte SSV-Team wiederum unter Trainer Jörg Trapp  den DBB-Pokalwettbwerb. Zu Beginn der Spielzeit 1976/1977 galten die Hagener bundesligaweit als Titelfavorit, führten wochenlang die Tabelle an und schlossen  die Saison doch „nur“ mit einem 4. Platz ab. Ähnlich verliefen viele weitere Spielzeiten – es wurde bester Basketball gespielt, aber aus den verschiedensten Gründen konnte kein Titel mehr gewonnen werden, bis 1994. Da gewann Hagen – nun unter dem Namen Brandt – erneut den Pokalwettbewerb. Später folgten Insolvenz und Wiederauferstehung als Phoenix Hagen.

Text: Hartmut Dichmann

 


 
 
 
 

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