ProA | 17.04.2016, 00:07 Uhr

Mentalität und Charakter als Antwort

Phoenix Hagen ist ein enorm wichtiger Sieg im Abstiegskampf der Beko Basketball Bundesliga gelungen. Bei den WALTER Tigers Tübingen gewannen die Westfalen mit 89:87 (46:57). Vor 3.132 Zuschauern in der Paul Horn-Arena trug Brandon Jefferson sein Team mit 34 Zählern. Mit zehn Siegen in der Wertung ist Phoenix Hagen dem Klassenerhalt damit ein großes Stück näher gekommen.

Owen Klassen gegen Mahir Agva

Owen Klassen gegen Mahir Agva

Brandon Jefferson überragte mit 34 Punkten

Brandon Jefferson überragte mit 34 Punkten

Jonas Grof gegen Jared Jordan

Jonas Grof gegen Jared Jordan

Kampf war Trumpf im Abstiegskampf

Kampf war Trumpf im Abstiegskampf

Das Personal:

Kontrastprogramm in Tübingen: Während Tigers-Coach Tyron McCoy entscheiden musste, welchen seiner sieben ausländischen Akteure er pausieren lässt – es traf Aufbauspieler Jesse Sanders –, konnte Phoenix Hagen nur noch auf vier Ausländer zurückgreifen. Nach D.J. Covington ist auch für J.J. Mann die Saison beendet. Der US-Amerikaner landete beim Spiel in Frankfurt am Donnerstag auf dem Fuß von Aaron Doornekamp und knickte um. Bei Mann, der demnächst operiert werden muss, rissen das Außenband und das Syndesmoseband. Jared Jordan, Vladimir Mihailovic, William Buford, Toarlyn Fitzpatrick und Bogdan Radosavljevic starteten für die Tigers. Für Hagen begannen Brandon Jefferson, David Bell, Ivan Elliott, Adam Hess und Owen Klassen.

Der Spielverlauf:

48 Stunden nach dem Spiel in Frankfurt kam Phoenix Hagen schwer in die Gänge. Leichte Ballverluste und fehlende Aggressivität in der Verteidigung ließen die Tübinger schnell davonziehen. Das lag vor allem an einem Mann: Jared Jordan verteilte nicht nur Assist um Assist, sondern hatte nach zehn Minuten bereits zwölf Punkte auf seinem Konto. Ohne Owen Klassen, der schnell zwei Fouls kassierte, hatten die Feuervögel zudem beim Rebound große Schwierigkeiten. Die Tigers führten nach dem ersten Viertel mit 30:18.

Tübingen spielte sich nun in einen Rausch. Das lag nicht zuletzt an Slam-Dunk-König Garlon Green, der die Hagener Defense mehrfach schlecht aussehen ließ (37:21, 13.). Ingo Freyer wechselte nun mehrfach die Verteidigung, doch das brach den Tübinger Rhythmus nur kurz. Allerdings präsentierten sich die Gäste jetzt giftiger – und sie konnten sich offensiv auf Brandon Jefferson verlassen. Der Guard verkürzte aus der Distanz auf 49:41 (19.) und hatte ebenso wie Jordan zur Pause bereits 16 Punkte auf dem persönlichen Konto. 57:46 für Tübingen stand es zur Halbzeit – und Owen Klassen, David Bell und Niklas Geske waren mit jeweils drei Fouls belastet.

Trotz dieser hohen Foulbelastung präsentierten sich die Hagener nach dem Wechsel defensiv deutlich verbessert. Das Tübinger Spiel wurde mehr und mehr zum Stückwerk. Jefferson und Bell trafen aus der Distanz – und die dezimierten Hagener waren nach 27 Minuten plötzlich wieder bis auf 66:62 dran. Auch eine Auszeit von Tyron McCoy konnte insbesondere Brandon Jefferson nicht aufhalten. Ein weitere Dreier und drei Freiwürfe des kleinen US-Amerikaners brachten Phoenix die erste Führung (68:66, 28.). Ungemach braute sich jedoch unter den Körben zusammen. Sowohl Owen Klassen als auch sein Backup Moritz Krume waren bereits mit vier Fouls belastet.

Die Tigers gingen mit einem knappen 71:70-Vorsprung in das letzte Viertel. Es war nun endgültig ein großer Kampf, in dem sich die Hagener zunehmend besser zurechtfanden. Das Doppeln in der Verteidigung schmeckte den Tübinger nicht. Hagen gewann Bälle – und zog durch einen Dunking von Ivan Elliott und einen Korbleger von Owen Klassen auf 82:75 davon (36.). Im Gegenzug kassierte Klassen dann allerdings sein fünftes Foul. Tübingen kam noch einmal zurück. 30 Sekunden vor dem Ende traf William Buford aus der Distanz zum 85:86.

Nun wurde es turbulent: Jefferson erzielte 13 Sekunden vor dem Ende per Dreier das 89:85. Buford verkürzte im Gegenzug mit sieben Sekunden auf der Uhr per Tip-in zum 87:89. Auszeit Hagen. Adam Hess gelang es im Anschluss nicht, den Ball binnen fünf Sekunden ins Feld zu bringen. Tübingen bekam so noch einen Versuch. Buford ging mit einem Dreierversuch auf den Sieg – und scheiterte. Phoenix Hagen behielt mit 89:87 die Oberhand.

Das Fazit:


Auch wenn es pathetisch klingt: Das war vielleicht einer der größten und wichtigsten Siege in der Geschichte von Phoenix Hagen. D.J. Covington schwer verletzt, sechs Punkte am grünen Tisch verloren, große Unruhe rund um den Klub, J.J. Mann schwer verletzt, das zweite Auswärtsspiel binnen 48 Stunden gegen einen ausgeruhten Gegner: Die Voraussetzungen hätten kaum ungünstiger sein können. Eine hohe Foulbelastung, die deutliche körperliche Unterlegenheit und ein schneller 21:37-Rückstand sind in so einer Situation eigentlich Sargnägel. Dass Brandon Jefferson 34 Punkte erzielt hat, war wichtig. Aber noch wichtiger war die Charakterfrage, auf die die Trainer und die Mannschaft einmal mehr eine bewundernswerte Antwort gewusst haben.

Die Trainerstimmen:

Tyron McCoy: „In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt und unseren Rhythmus gefunden. Das Spiel wurde dann in der zweiten Hälfte härter und uns sind Fehler unterlaufen. Dieser Trend hielt leider bis zum Spielende an und hat uns am Ende den Sieg gekostet. Jetzt müssen wir uns auf die letzten drei Spiele konzentrieren und diese auch gewinnen.“

Ingo Freyer: „Für die heutige Partie hatten wir uns zwar Chancen ausgerechnet aber nie so ein Spiel erwartet. Noch in dem ersten Viertel haben wir unsere Fehler erkannt und diese schnell eingestellt. Neben dem Ergebnis finde ich aber viel wichtiger, dass wir es allen gezeigt haben. Trotz aller Ausfälle und Umstände darf man Phoenix Hagen nie abschreiben.“

Die Statistik:

WALTER Tigers Tübingen: Jordan (19/2, 8 Ass.), Green (16/1), Buford (15/2), Mihailovic (9/1), Nadjfeji (8), Russell (8), Agva (6), Radosavljevic (6), Fitzpatrick, Albus.

Phoenix Hagen: Jefferson (34/9), Elliott (16/2, 10 Reb.), Bell (13/1), Klassen (12), Geske (8), Hess (2), Krume (2), Grof (2), Jasinski.

Stationen: 12:10 (5.), 31:18 (10.), 42:28 (15.), 57:46 (20.), 63:56 (25.), 71:70 (30.), 75:78 (35.), 87:89 (40.).

Zuschauer: 3.132

Fotos: Pressefoto ULMER/Daniel Ulmer

 


 
 
 
 

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