ProA | 04.10.2015, 00:03 Uhr

Das Wendemanöver: Hinten Zone, vorne Mann

Zum Auftakt der Beko Basketball Bundesliga-Saison 2015/2016 trotzte Phoenix Hagen allen Widrigkeiten und gewann mit 79:72 (41:43) beim Mitteldeutschen BC. Vor 2.450 Zuschauern in der Stadthalle Weißenfels waren es die Zonenverteidigung und die Distanzwürfe von J.J. Mann, die Hagen im Schlussviertel auf die Siegerstraße brachten.

J.J. Mann wurde zum Matchwinner

J.J. Mann wurde zum Matchwinner

David Bell sammelte 22 Punkte

David Bell sammelte 22 Punkte

Chris Otule bereitete Phoenix Probleme

Chris Otule bereitete Phoenix Probleme

Großer Jubel nach dem Auswärtssieg

Großer Jubel nach dem Auswärtssieg

Das Personal:

Der Mitteldeutsche BC musste auf TaShawn Thomas (Knieverletzung) verzichten. Für ihn wurde der Isländer Haukur Palsson nachverpflichtet. Phoenix Hagen fehlte D.J. Covington (Innenbandriss im Sprunggelenk). Nachwuchsspieler Marcel Keßen reiste dafür mit nach Weißenfels. Die Gastgeber begannen mit Frantz Massenat, Dominique Johnson, Ivan Siriscevic, Haukur Palsson und Chris Otule. Für Hagen starteten Barndon Jefferson, David Bell, Ivan Elliott, Adam Hess und Owen Klassen.

Der Spielverlauf:

Die frühe Foulbelastung setzte Phoenix Hagen schwer zu. Sowohl Klassen als auch Elliott kassierten bereits im ersten Viertel ihr jeweils drittes Foul. Der MBC zeigte ein anderes Gesicht als im Vorjahr: Das Team spielte deutlich schneller und aggressiver. Mit zunehmender Zeit machten sich die Hagener Nachteile unter den Körben bemerkbar. Chris Otule dominierte die Bretter und erzielte zwölf Punkte im ersten Viertel. Mit einer deutlichen Reboundüberlegenheit, einem Neuzugang Palsson, den die Hagener nicht auf der Rechnung hatten, und mit sicheren Freiwürfen setzte sich der MBC auf 30:20 ab.

Nachdem Otule auf 35:23 erhöhen konnte (14.), brachte Ingo Freyer seine foulbelasteten großen Spieler zurück. Zu deutlich war die Unterlegenheit in Korbnähe. Mit druckvoller Verteidigung waren die Gäste darum bemüht, den Ball vom eigenen Korb fernzuhalten. Mit Erfolg: Phoenix verzeichnete Ballgewinne und kam durch einen Dreier von David Bell bis auf 37:33 heran (16.). Für Owen Klassen indes blieb es bis dato ein gebrauchter Abend. Der kanadische Center kassierte noch vor dem Seitenwechsel sein viertes Foul. Offensiv ließen die Hagener zu viel liegen, kamen aber durch einen weiteren Dreier von David Bell zum zwischenzeitlichen 41:41-Ausgleich. Der MBC rettete eine knappe 43:41-Führung in die Pause.

Nach dem Wechsel entwickelte sich das Spielgeschehen zunächst erneut zu Ungunsten der Hagener. Der Versuch, den dominanten Chris Otule unter Druck zu setzen, brachte keinen Erfolg. Stattdessen kassierte David Bell sein drittes und Adam Hess sein viertes Foul (24.). Frantz Massenat drehte jetzt auf und besorgte dem MBC per Dreier einen 61:52-Vorsprung (27.). Ein weiterer Distanzwurf von Haukur Palsson mit der Schlusssirene stellte das Ergebnis auf 70:60 und ließ den angeschlagenen Feuervögeln nur wenig Hoffnung auf ein positives Ende der Partie.

Ingo Freyer wechselte nun auf eine Zonenverteidigung und erzeugte damit eine verheerende Wirkung auf das Spiel des Mitteldeutschen BC. Die Mannschaft von Silvano Poropat stellte nach dieser Änderung das Scoren komplett ein. Der Ball wanderte um die Hagener Zone, doch die Würfe fanden ihr Ziel nicht mehr. Hagen konnte es zunächst nicht wirklich ausnutzen, dass der MBC annähernd sieben Minuten ohne jeden Punkt blieb. Als niemand auf dem Feld mehr so recht punkten wollte, schlug die große Stunde des J.J. Mann. Der US-Amerikaner glich mit zwei Dreiern zunächst zum 70:70 aus (37.). Auf der Gegenseite traf Massenat zum 72:70 – es sollte kurioserweise der einzige MBC-Korb im letzten Viertel bleiben.

Erneut war es J.J. Mann, der zum 72:72 ausgleichen konnte. Brandon Jefferson besorgte eine Minute vor dem Ende mit einem Sprungwurf die 74:72-Führung für Hagen. Jefferson wollte anschließend nachlegen, scheiterte jedoch beim Ziehen zum Korb. Der Ball kam im Anschluss auf Umwegen zu J.J. Mann, der mit Ablauf der 24-Sekunden-Uhr aus annähernd zehn Metern zum 77:72 für Phoenix traf. 25 Sekunden vor dem Ende war das die Entscheidung. David Bell beschloss die Partie mit zwei Freiwürfen zum 79:72 und bescherte den zahlreich mitgereisten Hagener Fans ihre verdiente Party.

Das Fazit:

Ein kurioser Saisonauftakt verlangte den Hagener Trainern viel Fantasie und der Hagener Mannschaft eine Menge Selbstvertrauen ab. Phoenix war dazu in der Lage, viele Rückschläge (Verletzung Covington, hohe Foulbelastung, Unterlegenheit unter dem Korb) wegzustecken, trotz der frühen Foulbelastung am Ende die besten Spieler auf dem Feld zu haben und mit einer Zonenverteidigung die Wende einzuleiten. Mit zunehmender Spielzeit verschwanden die Defizite beim Rebound. Auch Owen Klassen, dem Fouls und eine unterirdische Wurfhand zusetzten, kam noch eine entscheidende Bedeutung bei: Der Center wurde zum Fels in der Brandung in der Hagener Zone und holte am Ende wichtige Rebounds. Letztendlich waren es die Zonenverteidigung und die Dreier von J.J. Mann, die Hagen den Sieg brachten – und ein mit 19:2 gewonnenes letztes Viertel.

Die Trainerstimmen:

Silvano Poropat (Mitteldeutscher BC): „Im ersten und dritten Viertel haben wir besser gespielt, im zweiten und vierten Viertel war Hagen überlegen. Beide Mannschaften haben sehr gut gekämpft. Ich mache meiner Mannschaft keinen Vorwurf. Sie hat gekämpft und alles gegeben. Ich denke, wir hatten heute drei Probleme: Zum ersten das Spiel gegen die Zone, dann war die Frage, wer Verantwortung übernehmen soll und schließlich John Stuart Mann, der Verantwortung übernommen hat und auch in chaotischen Momenten getroffen hat. Er hat einen Rebound gegen drei Leute geholt und dann den Ball rein gemacht. Wir gratulieren Hagen. Sie haben heute verdient gewonnen.“

Ingo Freyer (Phoenix Hagen): „Für uns war es ein sehr schwieriges Spiel durch einen Ausfall von D.J. Covington, das haben wir versucht zu kompensieren. Owen Klassen war schnell mit drei Fouls vorbelastet. Wir mussten darum das ganze Spiel improvisieren, um die Stärken von Otule durch verschiedene Verteidigungsarten unter Kontrolle zu bekommen. Das dritte Viertel war okay, das vierte Viertel hat Weißenfels aus dem Rhythmus gebracht. Wir sind froh, unter diesen Umständen gewonnen zu haben.“

Die Statistik:

Mitteldeutscher BC – Phoenix Hagen 72:79 (43:41)

Mitteldeutscher BC: Otule (16, 6 BS), Massenat (15/1, 8 Reb.), Palsson (11/2, 8 Reb.), Haukohl (9/1, 8 Reb.), Siriscevic (7/1), Jeter (7/1), Johnson (5/1), Zinn (2), Maier, Bundovic.

Phoenix Hagen: Bell (22/4), Mann (20/5), Jefferson (14, 6 Ass., 3 St.), Elliott (10/2, 8 Reb., 3 St., 2 BS), Geske (6), Hess (2), Keßen (2), Grof (2), Klassen (1, 7 Reb., 3 St.).

Stationen: 14:15 (5.), 30:20 (10.), 37:28 (15.), 43:41 (20.), 56:48 (25.), 70:60 (30.), 70:64 (35.), 72:79 (40.).

Zuschauer: 2.450

Fotos: Matthias Kuch

 


 
 
 
 

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