ProA | 26.04.2015, 19:42 Uhr

Doppelte Overtime: Phoenix verliert letztes Heimspiel knapp

Eine Wahnsinns-Partie bot Phoenix Hagen im letzten Heimspiel der Saison: Gegen die Telekom Baskets Bonn holten die Feuervögel zunächst im vierten Viertel einen 17-Punkte-Rückstand auf. 3.145 begeisterte Zuschauer in der ausverkauften ENERVIE Arena, unter ihnen Basketball-Bundestrainer Chris Fleming, sahen gleich zwei Overtimes. Mit 99:101 (92:92, 81:81, 41:38) ging das NRW-Derby schließlich knapp verloren.

Point Guards unter sich: Lawrence und Nixon

Point Guards unter sich: Lawrence und Nixon

Nichts für schwache Nerven: 92:92 nach OT1

Nichts für schwache Nerven: 92:92 nach OT1

Dino Gregory am Korb: 15 Punkte, 8 Rebounds

Dino Gregory am Korb: 15 Punkte, 8 Rebounds

Phoenix-Headcoach Ingo Freyer

Phoenix-Headcoach Ingo Freyer

Das Personal:

Bei Phoenix Hagen fiel Kapitän David Bell weiter mit einer Ellbogenverletzung aus. Die Nachwuchsspieler Jonas Grof und Marcel Keßen, der am Freitag in Oldenburg sein Beko BBL-Debüt gegeben hatte, spielten in Quakenbrück gegen die Young Dragons. Dort machten sie mit einem 72:65-Sieg der Juniors den Einzug in das TOP4-Turnier in eigener Halle perfekt. Phoenix-Headcoach Ingo Freyer schickte zu Beginn Niklas Geske, Todd Brown, Larry Gordon, Keith Ramsey und Dino Gregory aufs Feld. Der Bonner Trainer Mathias Fischer nominierte Eugene Lawrence, Benas Veikalas, Andrej Mangold, Angelo Caloiaro und Dirk Mädrich für seine Starting Five.

Der Spielverlauf:

Mit einem Freiwurf eröffnete Niklas Geske die Partie. In den Anfangsminuten entwickelte sich ein ausgeglichenes Match. Nach mehreren Führungswechseln traf Dino Gregory zum 5:5-Ausgleich (3.). Bonn konnte sich nicht auf mehr als vier Punkte absetzen. Dem zwischenzeitlichen 9:13 durch Bonns Spielmacher Eugene Lawrence folgte ein 7:0-Lauf der Hagener mit Treffern von Ramsey, Nixon und Gregory. Durch Nixons Dreier in Führung gegangen (6.), verteidigten die Feuervögel ihren Vorsprung bis in die letzte Minute des ersten Viertels. Lawrence glich per Freiwurf zum 20:20 aus. Browns And-One-Spiel brachte Hagen die Führung zurück.

Auch im zweiten Viertel brannte das Hagener Offensiv-Feuerwerk weiter: Die Treffer von Gregory bedeuteten gleich zweimal einen Fünf-Punkte-Vorsprung. Bonn dagegen tat sich im Angriff etwas schwerer. Auch aus der Distanz lief es jetzt für Hagen rund: Gordon traf zum 30:24 (15.), während Bonns Wachalski kurz darauf vergab. Nixon, der eine starke erste Hälfte spielte, legte noch einen Dreier drauf (16.), sodass Phoenix mit sieben Punkten führte. Auch den Rebound dominierten die Feuervögel zu diesem Zeitpunkt. Benas Veikalas brachte die Telekom Baskets mit einem Korbleger zum 34:32 auf zwei Punkte zurück (18.). Doch da die Hausherren weiter fleißig trafen, verteidigten sie ihre Führung. Mit 41:38 ging es aber recht knapp in die Pause.

Der Führungswechsel erfolgte kurz nach dem Seitenwechsel: Zwei Korbleger hintereinander von Dirk Mädrich brachten das 41:42 (21.). Die Feuervögel kamen nun nicht mehr so leicht durch die Bonner Verteidigung: Erst nach über drei Minuten trafen sie wieder, als Larry Gordon einen Korbleger zum 43:46 ins Netz beförderte. Mehr als sechs Punkte Vorsprung konnte Bonn aber nicht herausspielen, und nach Gordons Dreier zum 48:51 war wieder alles offen (25.). Nixon verkürzte kurz darauf auf einen Zähler (26.). Dann verließ Hagen aber das Wurfglück, Bonn startete einen 11:0-Lauf und ging erstmals zweistellig in Führung. Exakt eine Minute vor Ende des dritten Viertels traf Gordon zum 52:62. Klimavicius, Koch, Brooks und McConnell trafen noch für Bonn. Mit der Hypothek eines 17-Punkte-Rückstands ging es ins Schlussviertel.

Zehn Minuten blieben den Feuervögeln für eine Aufholjagd. Und die begann spektakulär: Geske per Freiwurf, Ramsey mit einem Korbleger, Gregory aus der Halbdistanz, Gordon per Freiwurf und Brown mit einem Dreier – bei den Hagenern traf jetzt jeder, und das aus allen Positionen. Gordon verkürzte per Korbleger auf 63:69 und sorgte damit für den elften Phoenix-Punkt in Serie (34.). Bei den Baskets lief offensiv fast nichts mehr zusammen. Erst nach dreieinhalb Minuten trafen sie dank eines Freiwurfs von Brooks wieder. Bis auf vier Punkte arbeiteten sich die Feuervögel nach Korbleger von Geske zum 69:73 heran (37.). Und das Punktesammeln ging munter weiter: Nach Dreier von Brown bebte die ENERVIE Arena, Gordon verkürzte per Freiwurf auf zwei Punkte (38.). Der ersehnte Ausgleich fiel genau eine Minute vor Schluss durch Gordons Freiwurf zum 79:79. Wenig später ging Phoenix erstmals seit Beginn des dritten Viertels in Führung, als erneut Gordon zwei Freiwürfe versenkte. Sieben Sekunden vor Ende traf Brooks beide Freiwürfe zum 81:81-Ausgleich, und es ging in die Verlängerung.

Die Zugabe dominierte zunächst Bonn: Klimavicius traf per Korbleger, Veikalas und Brooks punkteten jeweils dreifach zum 81:89. Wieder war Hagen in der Position des Jägers – und nahm diese gut an: Ramsey und Brown verkürzten auf drei Punkte. Bei diesem Abstand blieb es auch nach McConnells Dreier und Gordons Dunking und Bonus-Freiwurf nach Foul. 21 Sekunden waren in der Verlängerung noch zu spielen, als Brown seinen bereits vierten Dreier traf und zum 92:92 ausglich. Der letzte Hagener Angriff blieb ohne Korberfolg, und es gab weitere fünf Minuten oben drauf.

Brown brachte Hagen in Führung, die kurz darauf wieder Bonn durch einen Dreier von Caloiaro übernahm. Bonn baute den Vorsprung auf vier Punkte aus, ehe Brown mit zwei Freiwürfen auf 96:98 verkürzte. Klimavicius traf nur einen von zwei Freiwürfen und Zamal Nixon verwandelte sieben Sekunden vor Ende der zweiten Overtime den Dreier zum 99:99. Ryan Brooks besorgte schließlich den 101:99-Sieg der Telekom Baskets.

Das Fazit:

Zum Ausklang einer kuriosen Heim-Saison gab es ein mehr als kurioses Spiel. Die Aufholjagd im vierten Viertel und zwei Overtimes machten ordentlich Werbung für den Basketball-Sport. Über Sieg oder Niederlage entschieden am Ende Kleinigkeiten, dennoch waren die Statistiken aussagekräftig: Einer Hagener Wurfquote von nur 46 Prozent aus der Nahdistanz standen 66 Prozent auf Seiten der Bonner entgegen. Die Dreier-Quote war mit jeweils 35 Prozent ausgeglichen. Bei den Rebounds war Hagen lange überlegen. Erst gegen Ende des dritten Viertels kippte das Verhältnis, das letztendlich bei 49:37 für Bonn lag. Das schnelle Hagener Spiel verleitete die Baskets zu 29 Turnovers, während die Hausherren selbst nur 13 Bälle verloren. 15 Steals holten sich die Feuervögel, Bonn dagegen nur sechs. Top-Scorer der Partie wurde Larry Gordon, der mit 29 Punkten und 13 Rebounds zu einem Double-double kam.

Die Trainerstimmen:

Ingo Freyer (Phoenix Hagen): „Es ist schade, wenn Kleinigkeiten am Ende entscheiden, die man nicht wirklich beeinflussen kann. Ein Freiwurf oder ein Foul bringen die Verlängerung oder eben nicht. Wir hätten das Spiel gerne gewonnen, aber ich kann meiner Mannschaft nur ein Kompliment machen. Wir haben mit viel Herz gekämpft und sind im letzten Viertel zurückgekommen. Zwar haben wir den Rebound verloren, aber das Turnover-Verhältnis mit 16 gewonnen, das gibt es auch nicht oft. Diese gute Einstellung wollen wir ins erste Heimspiel der neuen Saison mitnehmen.“

Mathias Fischer (Telekom Baskets Bonn): „Es ging für Hagen um nichts mehr, aber die Mannschaft war trotzdem sehr motiviert. Das Spiel war von großer Hektik geprägt. Wir haben den Rebound gewonnen, hatten aber 29 Ballverluste. Das hätte uns fast den Sieg gekostet. Hagen hat in der Overtime unglaubliche Würfe getroffen. Kompliment an beide Mannschaften, es war ein Kampf bis zum Ende. Insgesamt war es das erwartet schwere Spiel nach unserem emotionalen Highlight gegen die Bayern am Freitag.“

Die Statistik:

Phoenix Hagen – Telekom Baskets Bonn 99:101 (92:92, 81:81, 41:38)

Phoenix Hagen: Gordon (29/2, 13 Reb.), Brown (25/4), Gregory (15, 8 Reb.), Nixon (13/3), Ramsey (9, 4 St.), Geske (4, 8 Ass., 4 St.), Igbavboa (4), Bleck.

Telekom Baskets Bonn: Veikalas (16/2), Mädrich (15), Caloiaro (13/1), Brooks (12/1), Klimavicius (13, 14 Reb.), Lawrence (9/1), Mangold (6/1), Wachalski (6), Koch (6), McConnell (4/1).

Zuschauer: 3.145 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Markus Hesse, Nesa Kovacevic, Jens Hegemann

Technischer Kommissar: Walter Schrauzer

Stationen: 11:13 (5.), 23:20 (10.), 30:26 (15.), 41:38 (20.), 48:51 (25.), 52:69 (30.), 65:73 (35.), 81:81 (40.), 92:92 (45.), 99:101 (50.).

 


 
 
 
 

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