ProA | 10.03.2013, 21:32 Uhr

Das Wunder von Hagen

Was für ein Spiel! Phoenix Hagen sorgte in der Beko Basketball Bundesliga für eine faustdicke Überraschung und kämpfte den Deutschen Meister Brose Baskets mit 104:97 (88:88, 41:42) nach Verlängerung nieder! 3.145 Zuschauer in der erneut ausverkauften ENERVIE Arena kreierten eine unvergleichliche Atmosphäre, in der die Bamberger am Ende Nerven zeigten.

Phoenix hat die Sensation geschafft!

Phoenix hat die Sensation geschafft!

Dino Gregory beim Dunking

Dino Gregory beim Dunking

Es war über die kompletten 45 Minuten ein enges Spiel, in der sich keine Mannschaft absetzen konnte. Der aufgedrehte Dino Gregory sorgte mit zwei Dunkings zum 6:2 für die ersten Highlights. Phoenix zeigte sich von Beginn an enorm fokussiert. Schnelles Spiel, eine variable Offensive und eine aggressive Verteidigung, die möglichst weit weg vom eigenen Korb begann, sollten die gravierenden körperlichen Nachteile der Feuervögel kompensieren.  Die Hagener präsentierten sich enorm ballsicher und setzten ihrerseits immer wieder Nadelstiche durch Ballgewinne.

Ein Dreier von David Bell brachte Phoenix einen 29:25-Vorsprung (12.). Es war ein großer Kampf, in dem die schnellen Hände der Hagener die Bamberger immer wieder vor Probleme stellten. Phoenix gestaltete die Partie stets eng, ließ allerdings im zweiten Viertel einige leichte Korbchancen ungenutzt. So konnte der Meister eine knappe 42:41-Führung in die Pause retten. Ein weiterer Wermutstropfen: Adam Hess und Larry Gordon kassierten schon früh ihr jeweils drittes Foul.

War die erste Hälfte schon mehr als ansehnlich, so entwickelte sich nach dem Wechsel ein beinharter Fight. „Mr. Fantastic“ Mark Dorris hatten an diesem Sonntag beim Superhelden-Frühstück ordentlich zugelangt und wurde mehr und mehr zum Hagener Hauptangreifer. Sechs Punkte des Guards stellten den Spielstand auf 53:50 für die Feuervögel (24.). Phoenix verteidigte nun sensationell gut – und Davin White versenkte aus der Bewegung einen Dreier zum 58:52! Es blieb eine wichtige Eigenschaft der Hagener an diesem Abend: Wenn es so richtig wichtig wurde, dann punkteten sie. Einen echten Lauf hatte indes keines der beiden Teams.

Während der Riese aus Oberfranken langsam wankte, sorgte ein Mann mehr und mehr für Angstschweiß auf den Gesichtern der Phoenix-Fans. Anton Gavel hielt sein Team mit ausgesprochen trockenen Würfen im Spiel. Nur gut, dass auch Larry Gordon und David Bell sicher aus der Distanz trafen und Phoenix mit einem 70:66 ins letzte Viertel gehen konnte.

War Gavel bis dahin nur ein „Ärgernis“, so wurde seine Kaltschnäuzigkeit im letzte Viertel zur echten Bedrohung für das Hagener Projekt „Sensation“: Seine  eiskalten Dreier aus der Ecke zum 74:74 und 79:79 (34.) ließen die ENERVIE Arena für kurze Momente verstummen. Doch Adam Hess schlug zurück und fand Unterstützung in Mark Dorris, der den Spielstand auf 86:79 stellte (37.). Phoenix versuchte jetzt, die letzten Minuten mit Ruhe herunterzuspielen. Das allerdings fiel den Gastgebern zunehmend schwerer. Und da mit Matt Walsh nun auch ein weiterer Bamberger eine gute Durchblutung der Wurfhand verspürte, wurde es noch einmal richtig dramatisch.

Beim Stand von 88:85 vergab Alex Renfroe den zweiten Freiwurf. Maik Zirbes angelte sich den Offensivrebound, vergab aber die leichten Punkte. Phoenix hätte nun ausspielen können, doch David Bell vergab im Fastbreak – und Walsh glich im Gegenzug per Dreier aus. Zehn Sekunden verblieben auf der Uhr. Der letzte Korbleger von Davin White tanzte auf dem Ring und sprang zurück ins Feld – Verlängerung!

Und die Overtime sollte so richtig prickelnd werden! Bamberg hatte den besseren Start, bis Mark Dorris per Dreier zum 95:93 traf (42.). Dann wurde es spektakulär: Dino Gregory stopfte ein Alley-oop-Anspiel von Davin White (per Baseline-Einwurf!) zum 99:95 krachend in den Bamberger Korb! Es war laut in der ENERVIE Arena, ja. Aber der vorläufige Dezibel-Saisonrekord stand noch aus. Und die verantwortliche Szene stand sinnbildlich dafür, warum Phoenix an diesem Abend siegreich bleiben sollte. Davin White vergab einen Dreier, Abe Lodwick holte den Offensivrebound. White nahm den nächsten erfolglosen Dreier – und holte selbst den nächsten Offensivrebound. Beim dritten Dreierversuch hatte der Amerikaner dann Erfolg. 20 Sekunden vor dem Ende traf er zum 102:97! Der Rest war die ganz große Show: Mark Dorris, mit 25 Punkten der Hagener Top-Scorer, erkämpfte sich den Ball, damit Larry Gordon den Schnellangriff per Dunking zum 104:97 vollenden konnte.

Phoenix Hagen präsentierte sich mannschaftlich unglaublich geschlossen und kampfstark. Mit aggressiver Defense und kluger Offense konnten die Feuervögel die Partie über die komplette Spielzeit eng gestalten. Am Ende war es auch die spärliche Zahl von neun Ballverlusten (Bamberg: 17) bei sieben eigenen Ballgewinnen, die die Hagener Gala-Vorstellung erfolgreich enden ließ.

Trainerstimmen:

Ingo Freyer: „Aus Bamberg bekommt man selten Glückwünsche. Das tut gut. Ich bin überrascht, dass wir gegen ein Top-Team wie Bamberg über 45 Minuten so konzentriert bleiben konnten. Wir haben unsere im Training ausgearbeiteten Sachen konsequent umgesetzt. Wir haben das Spiel gegen Ende der regulären Spielzeit fast noch weggegeben.  In der Verlängerung ist Bamberg sogar in Führung gegangen. Dann noch einmal zurückzukommen, ist nicht leicht. Es war insgesamt eine komplette Mannschaftsleistung von uns. Gestern haben alle Konkurrenten von uns gepunktet, heute haben wir nachgelegt. Das war wichtig.“

Chris Fleming: „In einem Spiel mit so vielen Ballbesitzen kann man eine Menge diskutieren.Wir hätten cool bleiben müssen in dieser hitzigen Atmosphäre. Insbesondere das unsportliche Foul am Ende war verantwortungslos von uns. In der Overtime haben wir geführt, doch danach hat Hagen sich sehr wichtige Bälle erkämpft, die wir hätten gewinnen müssen. Glückwusch an Hagen.“

Phoenix Hagen: Dorris (25/2), Hess (16/3), Lodwick (15/1), Bell (14/2), Gordon (12/1, 10 Reb.), Gregory (11, 8 Reb.), White (9/3, 7 Ass.), Wendt (2), Kruel.

Brose Baskets: Gavel (28/6, 10 Reb.), Walsh (18/4), Massey (14, 8 Reb.), Nachbar (10), Zirbes (9, 10 Reb), Ford (7), Renfroe (6/1), Jacobsen (3/1), Tadda (2).

Zuschauer: 3.145 (ausverkauft)

Stationen: 13:11 (5.), 21:23 (10.), 34:34 (15.), 41:42 (20.), 58:55 (25.), 70:66 (30.), 82:79 (35.), 88:88 (40.), 104:97 (45.).

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